Landschaft Ost-Island 2015 © Markus Backes

Roadtrip Island Tag 5 – Unterwegs nach Seyðisfjörður

Vagnsstaðir – Höfn – Straße 939 Oxí-Pass – Egilsstaðir – Seyðisfjörður

Schlafen im Cottage in Vagnsstaðir – ich kann es nur empfehlen. War das schön gemütlich! Nachdem wir in der großen Küche des Hostels gefrühstückt und unser Cottage aufgeräumt haben, fahren wir los. Immer der Ringstraße nach ins ca. 50 km entfernte Höfn, dort gibt es einen Supermarkt und wir müssen unsere Vorräte langsam etwas auffüllen. Die Wolken hängen tief heute, vom Meer her sind sie wie in den Bergen gefangen. Schilder an der Straße warnen vor Rentieren, die die Straße queren könnten. Ich drücke ganz fest die Daumen, aber leider haben wir während der gesamten Zeit auf der Insel keines gesehen. Die Ringstraße führt immer wieder über schmale Brücken, die sich über extrem breite Furten und leere Flussbetten spannen. Ob hier im Frühjahr alles voller Wasser von den Gletschern und dem Schnee aus dem Hochland ist? Gibt bestimmt ein spannendes Bild ab, denn all diese Flussbetten münden letztendlich ins Meer, soweit ich das sehen kann. Kurz bevor Höfn in Sicht kommt, steht ein Schild an der Straße, das zu einer Art Gletscher-Abenteuerpark und zum Nationalpark des Gletschers Vatnajökull zeigt. Wir beschließen, einen Abstecher zu machen.

Die Gletscherlagune von Hoffellsjökull

Es folgen Schotterpisten und dunkler Sand und Schotter um uns herum, in der Ferne sehen wir eine Gletscherzunge weiß leuchten. Da wollen wir hin. Und stehen dann plötzlich vor einem Fluss, der die Schotterpiste quert. Markus freut sich, aber Respekt davor, da mit dem Auto durchzufahren, haben wir beide. Neben uns tauchen zwei Quadfahrer auf und queren ganz langsam den Fluss. Es klappt. Gut, wir haben ein Auto mit 4×4, da sollte das auch gehen.

Flussquerung mit Auto bei Hoffell © Cora Berger
Mit dem Auto durch den Fluss

Und tatsächlich, wir kommen durch, das Wasser steht nicht sehr hoch, aber ein unangenehmes Gefühl ist es doch. Nach ein paar weiteren Minuten auf einer Piste voller Schotter und Steine tauchen ein paar Infotafeln und ein Parkplatz vor uns auf. Dort steht ein Auto, aber es ist niemand zu sehen. Wir parken, steigen aus und stehen vor einer kleinen Gletscherlagune. Es ist die Lagune des Hoffellsjökull, den wir am Ende der Lagune sehen können. Wahnsinn, wie still es hier ist. Es weht kaum Wind, das einzige Geräusch sind unsere Schritte auf dem Trampelpfad, der uns näher an den Gletscher führt. Ich setze mich auf einen Stein und genieße, nehmen den Augenblick und die Stille in mich auf. Der Gletschersee liegt ruhig und schwarz vor uns, auf ihm treiben Eisbrocken. Nicht ganz so groß wie auf dem Jökulsárlon, aber nicht weniger beeindruckend.

Gletscherlagune Hoffellsjökull © Cora Berger
Die Gletscherlagune Hoffellsjökull
Markus vor Hoffellsjökull © Cora Berger
Größenvergleich Mensch – Lagune

Gelbe Tretboote bei Hoffellsjökull © Cora Berger

Baden in Hot Tubs

Auf dem Weg zurück zur Ringstraße kommen wir noch an einer kleinen Ansammlung Häuser vorbei, hier steht ein Schild „Hot Tubs“. Wir haben ja immer noch nicht in einem heißen Pott gebadet, also dann jetzt. Wir parken, gehen durch ein schmales Gatter. Ein Junge, vielleicht 10 oder maximal 12 Jahre alt, begrüßt uns in astreinem Englisch, kassiert den Eintritt und weist uns ein. Vor einer Felswand sind 5 runde Plastikwannen in den Boden eingelassen, darin heißes Wasser. Sehr heißes Wasser, ich kann es dampfen sehen. Daneben steht eine Holzscheune, darin Umkleiden für Männlein und Weiblein, davor eine Dusche. Wir ziehen uns um, duschen uns ab und strecken den großen Zeh in den Tub, den der Junge als „den kältesten“ bezeichnet hat. Verdammt, ist der heiß! Nach einigen „Uuuuhs!“ und „Ahhhs!“ und „Heiß!“ sitzen wir dann schließlich drin. Und haben da Gefühl, gleich zu kochen. Ich bin bis zu den Schultern im Wasser. Als ich aufstehe um in den nächsten Tub zu wechseln, ist der obere Teil meines Körpers normal gefärbt, alles was im Wasser war, ist rötlich. Irre! Das Gefühl hier in diesem heißen Wasser zu sitzen, bei ca. 7 Grad Außentemperatur, und den Blick auf die Berge und die Schotterebene zu genießen, ist schon einmalig. Nachdem wir alle Tubs getestet haben und wirklich fast das Gefühl haben, dass uns gleich die Köpfe platzen, duschen wir uns ab, ziehen uns um und fahren weiter.

Private Hot Tubs bei Hoffell © Cora Berger

Süd-Ostisland – wunderschön!

Wir fahren die Ringstraße weiter nach Osten. Unterwegs halten wir an einigen Stränden und Buchten, z.B. am Hvalnes Nature Reserve, einem geschützten Gebiet, in dem Vögel nisten und wilde Blumen zuhause sind. Der Strand ist schwarz und voller kleiner, abgeschliffener Kiesel, ganz ohne Ecken und Kanten.

Schwarze Steine in Süd-Ostisland © Cora Berger

Weiter die Ringstraße lang finden wir einen ebenfalls schwarzen Strand, der von hohen Felsklippen umgeben ist. Mitten an der Wasserlinie steht ein einsamer, recht hoher Fels, auf ihm nisten unglaublich viele Vögel. Mit einer knappen Handvoll Menschen sind wir an diesem riesigen Strand, man merkt es aber kaum, weil es sich gut verteilt. Ich genieße im Sand sitzend die Brandung und die Wellen – mein geliebtes Meer!!

Strand in Süd-Ostisland © Cora Berger
Der Strand, das Meer und ich (ganz da unten)

Die ersten Fjorde kommen in Sicht. Langgezogen ragen sie tief in das Land hinein, noch ist es nicht so spektakulär wie ich es mir vorgestellt hatte. Man fährt auf der einen Seite und sieht auf der anderen Seite die Straße und die Berge aufragen, von dort wird man dann kurze Zeit später zurück schauen. Irgendwann im ersten Fjord, dem Berufjörður, wird die Ringstraße zu einer nicht asphaltierten Strecke. Dort am Ende des Fjords wollen wir die Passstraße 939, den Oxi-Pass, nehmen.

Den Oxi-Pass hinauf

Mehrere große, orangefarbenen Warnschilder erwarten uns in der Abzweigung von der Ringstraße. Wir befinden uns auf Meeresniveau und werden bis auf über 500 m ü.NN. fahren, auf nur wenigen Kilometern. Die Schilder warnen vor dem Wetter, davor, dass die Straße nicht asphaltiert ist und sagen uns, was im Notfall zu tun ist. Uns wird mulmig, aber wir haben ja unseren 4×4 und wir wollen diese Strecke unbedingt sehen. Mal ganz davon abgesehen ist es eine Abkürzung, ansonsten hätten wir noch diverse Fjorde und viele Kilometer vor uns bis zu unserem heutigen Ziel. Also los. Es wird langsam steil. Nach den ersten paar Kilometern belohnt uns ein wundervoller Wasserfall für unsere Idee, hier hoch zu fahren. Die Wolken sind noch über uns, wir haben einen weiten Blick auf den Fjord und das Meer. Wunderschön!

Wasserfall am Oxí-Pass © Cora Berger
Wasserfall zu Beginn des Passes

Die Straße ist schmal, Nebel kommt auf. Naja, eigentlich fahren wir einfach in die Wolken hinein, die an den Bergen hängen geblieben sind. Die Sicht wird immer schlechter, der Nebel immer dichter. Ich sterbe auf diesen paar Kilometern einige Tode… Die „Straße“ ist kurvenreich und schmal, der Nebel extrem dicht, entgegenkommende Fahrzeuge sieht man erst kurz vorher. Wie es neben der Straße aussieht, können wir nur erahnen, es scheint aber tiefe Abgründe zu geben. Ab und an tauchen meterhohe Schnee- und Eisplatten neben uns auf. Und dann irgendwann scheint alles überwunden. Plötzlich lichtet sich der Nebel, die Sonne scheint, wir sind auf einer Art Ebene angekommen. Die Wolken ziehen rasend schnell über uns hinweg und an uns vorbei. Die Landschaft ist karg und einsam, in einer Schlucht gurgelt ein kleiner Fluss vor sich hin. Die Fahrt weiter bis zur Kreuzung mit der Ringstraße gestaltet sich für mich deutlich entspannter als die Fahrt hinauf.

Nebel und Schneewand auf dem Oxí-Pass © Cora Berger

Über den Wolken am Oxí-Pass © Cora Berger
Über den Wolken angekommen

Sind wir in Mini-Kanada gelandet?

Der große Binnensee Lagarfljót kommt in Sicht. Irgendwie fühlen wir uns hier wie in Mini-Kanada. Es ist grün, unglaublich grün sogar. Links und rechts der Straße stehen viele kleine Tannen, sie sind wirklich noch eher Minitannen. Links von uns und teilweise noch vor uns liegt der blaue, 35 km lange See. In der Ferne ragen steile, schneebedeckte Berge in den Himmel. Und das Tollste: die Sonne scheint!

Schafe auf der Ringstraße ohne Asphalt © Cora Berger

Im Tannenwald mit seinen kleinen Bäumchen stehen immer mal wieder einzelne, bunte Häuser aus Holz. So richtig schön rot und blau gestrichen. Ich war noch nie in Norwegen, aber so stelle ich mir dort die typischen Fjordhäuser vor. Es ist echt idyllisch hier!

Landschaft Westisland © Cora Berger

Schnee soweit das Auge reicht!

Wir fahren weiter auf der Ringstaße bis nach Egilsstaðir, der größten Stadt in Ostisland. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Ziel, der kleinen Stadt Seyðisfjörður. Von Egilsstaðir aus folgen wir der Straße 93, sie zieht sich in Serpentinen einen steilen Bergkamm hinauf. Uns bieten sich grandiose Ausblicke auf die Ebene des Lagarfljót. Oben auf der Ebene Fjarðarheiði angekommen erwartet uns eine Überraschung – links und rechts der Straße ist alles voller Schnee! Wir stehen mitten in einem Winterwonderland! Und das im Juni und bei strahlendem Sonnenschein! An einer kleinen Bucht halten wir an und steigen aus, hier MÜSSEN wir ein Foto machen. Ein paar Meter weiter schaut der schwarze Boden aus dem Schnee, dort wollen wir hin. Der erste Schritt – und ich stehe bis über die Knöchel im Schnee. Dass der so hoch liegt, hätte ich nicht gedacht. Es ist einfach toll! Ich kann mein Glück kaum fassen! Sonne, Schnee, tolles Wetter und wir beide auf Island!

Blick auf den Lagarfljót und Eglisstadir © Cora Berger
Blick auf den Lagarfljót und Eglisstadir
Schneelandschaft Höhe Seydisfjördur © Markus Backes
© Markus Backes

Cora & Markus im Schnee vor Seydisfjördur © Cora Berger

Weiter geht es über den Pass in Richtung Seyðisfjörður. Dabei kommen wir an einem Skilift vorbei, der auf der Hochebene endet und von der Stadt aus erreichbar ist. Skifahren auf Island ist mit Sicherheit auch ein Erlebnis! Die Stadt und der gleichnamige Fjord Seyðisfjörður kommen vor uns und unter uns in Sicht. Wieder geht es über Serpentinen weiter, dieses Mal den Berg hinab. Tolle Wasserfälle direkt neben der Straße lassen uns staunen. Unten wieder auf Meereshöhe angekommen fahren wir zum Hostel, das sich in einem alten Krankenhaus befindet. Im Hafaldan Hospital Hostel, das wir dieses Mal übrigens über booking.com gebucht haben, fühlen wir uns direkt wohl. Wir werden, wie immer, sehr freundlich empfangen. Es ist unheimlich gemütlich hier drin, der Boden ist mit einer Art Kork ausgelegt und wie in fast allen Hostels wird man gebeten, die Schuhe schon im Eingangsbereich auszuziehen. Die Räume sind hoch, wie in einem Altbau eben, und hell. Unser Zimmer ist direkt auf dem ersten Gang, in der Nähe der Küche. Zwei große Betten mit Bettwäsche und gemütlichen Bettdecken erwarten uns, alles sieht hier noch sehr neu aus. Auch hier, im Hafaldan, sind wir wieder in einem Green Hostel. Hier habe ich fast noch mehr da Gefühl, dass diese Einstellung gelebt und konsequent an die Gäste weitergegeben wird.

Flur Hafaldan Hospital Hostel © Cora Berger
Der Flur im Hostel

Küche Hafaldan Hospital Hostel © Cora Berger

Seyðisfjörður

Wir kochen uns erst einmal Abendessen in der riesigen Küche des Hostels und essen im offenen Essbereich. Auch hier ist es sehr gemütlich. Schade eigentlich, dass wir nur eine Nacht bleiben werden. Dann machen wir noch einen kurzen Spaziergang in die Stadt und an den Hafen. Seyðisfjörður ist übrigens der Hafen, in dem die einzige Autofähre von Europa nach Island ankommt. Sie verbindet Island über die Färöer mit Dänemark.

Spielplatz Seydisfjördur © Markus Backes
🙂

Hafen von Seydisfjördur © Cora Berger

Die Stadt Seyðisfjörður ist winizig, hier leben nur etwas mehr als 600 Menschen, aber sehr schön. Auch hier dominieren bunte Holzhäuser, es gibt sogar mehrere Restaraunts und Kneipen. An einer Tankstelle essen wir noch ein Eis und klettern dann anschließend einen schmalen Hang zwischen den Häusern hinauf. Wir haben einen Wasserfall gesehen, der quasi mitten im Ort hinter den Gärten den steilen Berg hinab fällt. Der Wasserfall ist nicht groß, aber es ist beeindruckend, wieder direkt unter einem solchen zu stehen. Wie auch am Seljalandsfoss wird mir hier wieder die Kraft fallenden Wassers bewusst.

Wasserfall in Seydisfjördur © Markus Backes

Durch den Ort spazieren wir zurück ans Hostel, mittlerweile ist es wieder fast 22 Uhr, auch wenn uns das nicht bewusst ist. Es ist ja hell und wird gar nicht dunkel im Moment. Wir stehen kurz vor dem längsten Tag des Jahres, diesen werden wir in der Nähe der zweiten „Hauptstadt“, in Akureyri, verbringen.

Am nächsten Tag geht es für uns weiter in das Mývatn-Gebiet.

Dieser Beitrag erschien zuerst im August 2015 auf meinem Vorgängerblog „Blick auf“.

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2 Kommentare zu “Roadtrip Island Tag 5 – Unterwegs nach Seyðisfjörður

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