Zelten am Mývatn 2015 © Markus Backes

Roadtrip Island Tag 6 – Mývatn und Hverir

Seyðisfjörður – Lagarfljót – Hverir – Grjótagjá Mývatn – Mývatn Nature Baths – Reykjahlíð

Ach wie gerne wäre ich länger im Hafaldan Hostel in Seyðisfjörður geblieben. Es ist wirklich urgemütlich, ein toller Altbau und so liebevoll eingerichtet. Ich mag diese lockere Hostel-Atmosphäre, die uns jetzt schon ein paar Mal begegnet ist. Junge Backpacker, einzelne Radfahrer auf Inseltour, ältere Paare – hier trifft man einfach eine überraschende Vielfalt Reisender. Sehr spannend. Aber „leider“ geht es nach dem Frühstück an diesem Morgen wieder los, ab auf in die Ringstraße nach Norden. Leider steht in Anführungszeichen, weil ich mich natürlich wahnsinnig auf die all die schönen Orte und tollen Erlebnisse freue, die noch vor uns liegen. Heute werden wir bis an den See Mývatn fahren, dort wollen wir wieder eine Nacht im Zelt verbringen.

Einmal um den Lagarfljót

An diesem Morgen ist es wieder bewölkt, die Wolken kommen vom Meer her und hängen in den höheren Lagen fest. Wir fahren zurück nach Egilsstadir, wieder über das Schneegebiet. Im Tal angekommen entschließen wir uns, einige zusätzliche Kilometer zu machen und noch den See Lagarfljót zu umrunden. Vielleicht begegnet uns ja auch das angeblich im riesigen See wohnende Ungeheuer namens Lagarfljótsormurinn? Sagen erzählen von einem Seemonster, ähnlich wie Nessie im Loch Ness. Die Landschaft um den Lagarfljót ist wieder atemberaubend schön. Grün. Kleine Wäldchen. Schwarze Strände. Zumindest am östlichen Ufer. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Bergkette mit ihren schneebedeckten Gipfeln, die sich neben dem See türmt.

Straße am Westufer Lagarfljot © Cora Berger

Wir fahren über eine große Brücke ganz am Ende des Sees. Die asphaltierte Straße wird wieder einmal zur Schotterpiste. Interessanterweise ist die Landschaft auf dieser Seite ganz anders, sehr karg und steinig. Voller Lava. Steile Hänge fallen zum Seeufer hin ab. Neben der Straße, naja Piste eigentlich, stehen wieder Pferde und Schafe. Schafen begegnen wir natürlich immer und andauernd. An der Straße, auf der Straße, neben der Straße, im Liegen, beim Grasen, mit Lämmchen. Wirklich, wir haben in den letzten Tagen mehr Schafe als Menschen gesehen, da bin ich sicher.

Nachdem wir den Lagarfljót umrundet haben und der Seewurm leider nicht aufgetaucht ist, tanken wir in Eglisstadir unser Auto noch einmal voll. Von hier aus geht es die Ringstraße hinauf in ein sehr karges Gebiet. Die Landschaft ist weit, wir befinden uns auf einer Art Hochebene. Der Anstieg war steil, mit dem Auto natürlich kein Problem, aber mein Respekt gilt mal wieder den Radfahrern, die sich einzeln oder zu zweit auf ihren vollgepackten Rädern den Berg hinauf strampeln.

Mittagspause in der Einsamkeit

Inzwischen ist es Mittagszeit, der Hunger meldet sich. Wir finden einen Rastplatz mit Bänken und Tisch, irgendwo im Nirgendwo auf dieser Hochebene Möðrudalsfjallgarður. Auf dem Parkplatz steht kein Auto – Glück muss der Mensch haben. Wir parken, packen unseren Campingkocher aus, brühen uns Wasser für einen Tee auf und  genießen unsere Tankstellen-Sandwiches. Und hey, die Teile sind wirklich gut! Reichlich belegt und das Brot ist auch nicht matschig. Wir toasten es kurz in unserem Campingtopf, es schmeckt gleich noch mal so gut. Es ist wieder mal unheimlich still hier oben. Wir haben das Gefühl, fast allein auf der Welt zu sein. Ein kleiner Bach plätschert neben dem Rastplatz, ab und an kreist ein Vogel über uns, der Wind weht und fegt über die Ebene. Was haben wir wieder für ein Glück mit dem Wetter, die Sonne scheint. Zwar sind es wieder nur knapp 10 Grad, aber was macht das schon. Wir haben uns ja genau darauf eingestellt und haben die passende Kleidung an.

Mittagspause Hochplateau © Cora Berger

Cora bei der Mittagspause auf dem Hochplateau © Markus Backes

Eine Zeit lang sind wir allein, dann halten nach und nach immer mal wieder andere Autos. Da es hier aber nicht viel zu sehen gibt, fahren die meisten relativ schnell weiter. Ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen holpert auf den Parkplatz. Ach, das muss der Hammer sein – mit dem eigenen Wohnmobil über Island. Das ältere Paar, hörbar aus dem Norden Deutschlands, erzählt uns, dass sie mit der Fähre von Dänemark aus mit Zwischenstopp auf den Färöern angekommen sind und jetzt ihre Zeit auf der Insel beginnt. Ihr Wohnmobil ist voller Aufkleber aus allen möglichen Ländern und Region. Das fasziniert mich unheimlich! Die beiden packen ihr Mittagessen aus und wir machen uns wieder auf den Weg.

Die Landschaft ist nach wie vor karg, von Lava geformt und überströmt. Island eben, denke ich mir mehrfach an diesem Tag. Trotzdem faszinierend. Es ist ruhig hier oben, nur selten kommt uns ein Auto entgegen.

Schwefel, gelbe Erde und kochender Schlamm

Wir erreichen die Abzweigungen zu den Wasserfällen Dettifoss, Selfoss und Hafragilsfoss, entschließen uns aber, das auf den nächsten Morgen zu verschieben. Es ist nicht mehr weit bis zum See Mývatn, unserem Tagesziel. Kurz nach der Abzweigung sehen wir Dampf und Rauch aufsteigen, der Boden scheint zu kochen. Ganz offensichtlich sind wir im geothermalen Gebiet, zu dem auch der See Mývatn gehört, angekommen. Ein rotes Schild sagt uns, dass wir uns am Gebiet „Hverir“ befinden. Der Parkplatz ist voller Autos. Als wir aus dem Auto aussteigen, weht uns ein beißender Schwefelgeruch entgegen. Hatten wir ja schon öfter, diesen Geruch, aber das hier haut uns wirklich um. Weiße Wolken aus Dampf werden vom Wind über den Boden geblasen, es stinkt so sehr nach faulen Eiern, dass mir kurz mal schlecht wird. Warnschilder stehen am Parkplatz. Man soll auf keinen Fall die mit Seilen abgetrennten Stellen betreten. Die Erde kocht, der Boden ist dünn, gelb und grau. Wir kommen an Schlämmlöchern vorbei, in denen der grauen Schlamm Blasen wirft und wie Wasser kocht. An einer Stelle sind Steine aufgeschichtet über einer Art Loch im Boden. Der Dampf schießt dort pfeifend hinaus, wie an einem Wasserkessel. Ist das irre! Hverir ist wirklich faszinierend: stinkend, kochend, gelb-graue Erde, aus der es dampft.

Hverir 2015 © Markus Backes
Hverir © Markus Backes
Hverir stinkend © Markus Backes
Bäh!

Kochende Schlammlöcher bei Hverir © Cora Berger

Mývatn – der See kommt in Sicht

Direkt nach Hverir geht es einen kleinen Hügel hinauf. Oben angekommen halten wir kurz auf einem Parkplatz mit Infoschild an. Wir befinden uns direkt im Mývatn-Gebiet. Unter uns liegt, rechts der Straße, eine Art Kraftwerk, direkt daneben ein türkisblauer See, der ebenfalls dampft.

Wir fahren weiter, den Berg hinab, und können uns erst einmal nicht entscheiden,was wir zuerst machen sollen. Auf jeden Fall möchten wir noch in die Mývatn Nature Baths. Das ist quasi wie die berühmte „Blaue Lagune“, nur eben im Norden Islands, kleiner und günstiger. Außerdem steht noch der Besuch der Grotte Grjótagjá an. Schaut jemand von euch Game of Thrones? Wenn ja, wird sie euch bekannt vorkommen – Jon Schnee hat hierin gebadet. Mit diesem Drehort sind wir übrigens auch auf der Blogger Kulissen-Karte vom Blog „Teilzeitreisender vertreten. Janett hatte im Oktober 2015 mit der Aktion #Kulissenkarte dazu aufgerufen, die Weltkarte mit Dreh-, Spielorten auf aller Welt zu füllen, sei es in Form von Blogposts zu den Orten oder Rezensionen zu den Filmen oder Büchern.

Wir entscheiden uns, zuerst die Grotte zu besuchen, dann einmal rund um den Mývatn zu fahren und nach einem passenden Zeltplatz zu schauen und dann später noch ins Nature Baths zu gehen.

Grjótagjá

Die Grotte ist leicht zu finden. Eine kleine Straße führt von der Ringstraße weg, parallel zum östlichen Ufer des Sees. Das Schild zeigt zu einem Parkplatz, wie so oft sind wir nicht allein. Gut, es ist auch erst Nachmittag. Der Eingang zur Grotte ist eng und voller großer Steine, über die wir vorsichtig klettern. Unsere Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Wir stehen in einer Art unterirdischer Blase, vor uns klares, blaues Wasser. Im Moment erscheint es einfach nur dunkel, unsere Kamera zeigt uns erst die volle Schönheit. Das Wasser dampft, es ist sehr heiß. Früher durfte man hier auch baden, nach einem Vulkanausbruch  ist das nicht mehr möglich, weil das Wasser zu heiß geworden ist. Schade!

Grotte Grjótagjá © Markus Backes

Immer wieder klettern Leute die zwei Eingänge rein und raus. Es ist relativ still hier, aber voll. Während Markus noch Bilder macht, verlasse ich die Höhle und spaziere einen kleinen Weg entlang. Und siehe da, wieder lohnt es sich, ein paar Meter weiter zu gehen. Ich entdecke den Eingang zu einer weiteren Höhle. Kleiner als die erste, aber dafür ist hier niemand. Markus kommt nach, wir klettern hinein und genießen die besondere Atmosphäre und die Stille. Die beiden Höhlen liegen in einer Art Wulst aus Gestein, das sich einmal quer durch die Landschaft zieht. Oben ist die Wölbung auseinander gebrochen, als sei die Oberfläche zusammen geschoben worden bis die Wölbung dem Druck nicht mehr Stand halten konnte, so sieht das aus. Mal wieder staune ich über die wahnsinnigen Kräfte der Erde, die hier mehr als deutlich zu sehen sind.

Erdspalte über der Grotte Grjótagjá © Cora Berger

Wir folgen dem Weg weiter bis zu einem Gatter. Durch dieses fahren wir durch, schließen es hinter uns wieder, und sind dann auf der Hauptstraße, die einmal um den See Mývatn führt. Wir entschließen uns, ihn im Uhrzeigersinn zu umrunden und fahren daher erst einmal in Richtung Süden, kommen dabei an einem Vulkankrater vorbei, auf dessen Rand man hoch wandern kann, und an den Pseudokratern am südlichen Ende des Mývatn. Der See und die ihn umgebende Landschaft geben ein tolles Bild ab! So viel Wasser und grün drum herum. Auf und am See gibt es unheimlich viele Vögel – und wahnsinnig viele Mücken. Meine Güte, sobald man aus dem Auto aussteigt, ist man nur noch am Fuchteln und hat ständig ein kleines schwarzes Mückchen irgendwo sitzen. Sie scheinen aber nicht zu stechen, zumindest uns nicht. Ich kann nach einiger Zeit die Leute mit den Netzen um die Köpfe gut verstehen.

Baden im Mývatn Nature Baths

Fast am Nordende des Sees finden wir schließlich einen Campingplatz, der uns zusagt. Hier, auf einer Wiese direkt am Wasser, werden wir die Nacht verbringen. Bevor wir aber unser Zelt aufschlagen, fahren wir noch zum Mývatn Nature Bath. Es ist später Nachmittag inzwischen. Das Bad hat sogar bis um Mitternacht geöffnet, was an Tagen, an denen es dunkel wird, bestimmt eine tolle Sache ist. Schon von außen finde ich es klasse. Das Wasser in den beiden Becken ist leuchtend hellblau und dampft vor sich hin.

Myvatn Nature Baths 2015 © Cora Berger

Die gesamte Anlage sieht super gepflegt aus. Wir zahlen unseren Eintritt und gehen uns umziehen. Für alle Besucher gilt auch hier wieder: vorher duschen. Als ich aus dem Umkleide- und Duschraum ins freie komme, fröstelt es mich, es sind eben nur knapp 10 Grad. Das Wasser im Becken ist aber wieder unheimlich angenehm warm. Es fühlt sich leicht seifig auf der Haut an, das kommt wohl durch die Mineralien im Wasser. Jedenfalls sind wir quasi sofort entspannt! Wir schwimmen im Wasser, setzen uns am Rand des Beckens auf die Sitzbänke im Wasser und genießen die Sonne, den Ausblick und die Wärme!

Entspannung mit Aussicht im Myvatn Nature Baths © Markus Backes

Nach dieser wunderbaren Entspannung fahren wir zurück zu dem Campingplatz, kaufen uns ein Ticket für eine Nacht und suchen uns ein tolles Plätzchen direkt am Wasser. Während wir unser Zelt aufbauen, umschwirren uns wieder tausende Mücken. Nach einiger Zeit wird der Wind stärker und damit die Mücken weniger. Unser Zelt steht auf einer gut gepflegten Wiese, insgesamt macht dieser Campingplatz einen tollen Eindruck auf uns. Es gibt ein großes Küchenzelt mit Holzboden, zwei Sanitärgebäude, die sehr sauber sind, und eine riesige Zeltwiese sowie einige Stellplätze für Camper und Wohnwagen.

Wir kochen unser Abendessen im Küchenzelt und kriechen anschließend müde und zufrieden in unsere Schlafsäcke. Dieses Mal jeder in seinen eigenen, weil es beim letzten Mal ja doch ziemlich frisch war. Komplett zugezogen schauen nur noch Nase und Augen raus, aber es ist schön warm darunter. Wir hören die Wellen an das Ufer klatschen, ein paar Enten schnattern noch vor sich hin, dann wird es ruhig um uns herum. Ich kann kaum glauben, dass mehr als die Hälfte unseres Islands-Abenteuer schon hinter uns liegt, die Zeit geht so schnell vorbei während wir unsere Eindrücke sammeln und die Zeit genießen.

Am nächsten Tag ging es für uns weiter, in die Hauptstadt des Nordens, nach Akuyreyri.

Blick aus dem Zelt auf den Mývatn © Cora Berger

2 Kommentare zu “Roadtrip Island Tag 6 – Mývatn und Hverir

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