Godafoss 2015 © Markus Backes

Roadtrip Island Tag 7 – Vom Dettifoss nach Akureyri

Mývatn – Dettifoss – Öxarfjörður – Húsavík – Mývatn – Goðafoss – Eyjafjörður – Akureyri

Als wir in unserem Zelt am See Mývatn an diesem Morgen aufwachen, liegen wir mit dem Rücken auf dem Boden – verd…, die Luftmatratze hat Luft verloren über Nacht. Ärgerlich! Es hat geregnet und es ist kalt. Wir kriechen aus unserem Zelt und genießen erst einmal die Stille des Morgens. Dann gehen wir uns im Sanitärgebäude aufwärmen. Hier ist es wohlig warm, aber das Wasser aus den Duschen und dem Hahn riecht sehr stark nach Schwefel. An den Geruch am frühen Morgen muss man sich auch erst gewöhnen. Ab geht’s ins Küchenzelt, es ist Zeit für unser Frühstück.

Die Sonne kommt langsam hinter dem Nebel hervor während wir unseren Kaffee und den Toast genießen. Nachdem wir unser Zelt abgebaut und das Auto wieder gepackt haben, fahren wir erst einmal ein paar hundert Meter nach Reykjahlíð an die Tankstelle. Direkt daneben ist das Informationszentrum vom Gebiet Mývatn. Auch hier machen wir noch einen kurzen Abstecher hinein. Es gibt eine kleine Ausstellung zum See, dem Vogelreichtum in der Region und den geologischen Besonderheiten. Liebevoll aufgemacht und klein, dafür kostet es keinen Eintritt, wie so vieles hier auf Island.

Dettifoss und Hafragilsfoss

Dann geht es für uns wieder zurück auf die Straße, zunächst mal wieder auf der Ringstraße in Richtung Osten. Wieder fahren wir am geothermalen Gebiet Hverir vorbei, biegen dann ein paar Kilometer danach auf die Straße 864 ab um zu den Wasserfällen Selfoss, Dettifoss und Hafragilsfoss zu gelangen. Sie alle liegen am Fluss Jökulsá á Fjöllum, dem wohl zweitlängsten Fluss auf Island. Der Weg dorthin führt über eine schmale Straße. Es ist kühl und windig heute, die Landschaft um uns herum sehr karg und grau. Fast schon Einöde, könnte man sagen. Irgendwann zweigt ein kleiner Schotterweg ab, ein kleines Schild sagt uns, dass es hier zum Parkplatz oberhalb des Wasserfalls Dettifoss geht. Also los, wir dem Schild hinterher. Die kurze Anfahrt zum Parkplatz ist spannend, denn es geht einen Stich hinauf, der von einem Felstor eingerahmt wird. Hier ist die Straße eng, es passt nur ein Auto durch. Fotomotiv pur eigentlich, denn die Erde rundherum ist beeindruckend rot und das Tor gibt eine wunderbare Kulisse ab. Warum hab ich nur kein Bild gemacht, frage ich mich mal wieder…

Na egal, weiter geht’s. Nachdem wir geparkt haben, werfen wir einen Blick auf das fast schon obligatorische Infoschild zum Dettifoss. Wie immer an diesen Punkten ist es neben Isländisch auch mindestens auf Englisch. Dieses erklärt uns, dass wir gerade dabei sind, den stärksten Wasserfall Europas kennenzulernen – den Dettifoss. Er ist 100 Meter breit und 45 Meter tief rauscht das Wasser hinab. Trotz der enormen Wassermassen, die der Fluss vom Gletscher hinab in den Öxarfjörður transportiert, befinden wir uns gerade an einer der trockensten Regionen Islands. Auch ein Schild am Toilettenhäuschen weist uns daraufhin, wir sollen bitte Wasser sparen. Übrigens: ganz klasse finde ich immer, wie sauber hier alles ist. Sogar die Toilettenhäuschen mitten im Nirgendwo.

Infotafel zum Dettifoss © Cora Berger

Zu Fuß machen wir uns vom Parkplatz auf in Richtung Dettifoss, den gelb markierten Pfosten hinterher. Rechts neben uns, deutlich hörbar, rauscht der Fluss in einem tiefen Spalt. Alles ist sehr steinig hier. Und es ist echt kalt an diesem Vormittag! Es scheint, dass es hier oben eh etwas kühler ist. Als wir den Dettifoss erreichen, erkennen wir hinter dem Dunst des aufsteigenden Wasser Eisflächen am Rand der Schlucht. Wir stehen oben am Rand der Schlucht und schauen fasziniert auf den Wasserfall Dettifoss und das Flussbett. Unglaublich, wie viel Kraft dahinter steckt. Man sieht, wie sehr das Wasser das schwarze, vulkanische Gestein auswäscht und man kann erahnen, wie hoch das Wasser in der Schlucht stehen muss. Zum Beispiel während der Schneeschmelze. Es ist laut. Das Wasser donnert mit viel Gewalt den Dettifoss hinab. Wasserdampf steigt auf, die andere Seite der Schlucht verschwindet im Dunst. Wahnsinn, wieder einmal staune ich über die Natur und die ungezähmte Ursprünglichkeit.

Dettifoss Juni 2015 © Cora Berger
Dettifoss

Von hieraus führt der „Weg“ weiter nach Süden, nach ca. 20 Minuten zu Fuß erreicht man dann den Wasserfall Selfoss. Diesen Weg haben wir nicht mehr gemacht.

Stattdessen fahren wir weiter, der Schotterstraße nach Norden nach. Am nächsten Wasserfall, dem Hafragilsfoss legen wir wieder einen Stopp ein. Vom Parkplatz aus führt ein schmaler Pfad durch rote Geröllfelder auf einen kleinen Hügel. Von hier aus sehen wir weit unter uns den Fluss und den Wasserfall. Er ist deutlich kleiner als der Dettifoss, aber trotzdem nicht weniger beeindruckend. Hier fasziniert mich vor allem der weite Blick über die Schlucht, auf die umgebende felsige und sehr karge Landschaft. Ab und an gibt es ein paar grüne Flecken, von Gräsern oder Moosen, die hier wachsen.

Hafragilsfoss und Cora © Markus Backes
Oberhalb des Wasserfalls Hafragilsfoss

Rote Erde am Dettifoss © Cora Berger

Ein paar Meter nach dem Wasserfall ist ein schmaler Zufluss. Hier scheinen verschiedene Wassermassen aufeinander zu treffen – zum einen das eher aufgewühlte und dreckige Wasser des Flusses, zum anderen ein sehr dunkelblaues Wasser aus diesem Arm. Woher es kommt, können wir nicht sehen. Aber deutlich sichtbar sind die zwei Schichten, die sich scheinbar nur schwer mischen.

Wasserschichten am Hafragilsfoss © Cora Berger

Der Rest des Vormittags besteht aus vielen Kilometern Schotterstraße weiter nach Norden. Unterwegs begegnet uns noch ein kleiner Eindruck des Lebens auf Island – an einem kleinen Hof treibt ein Mann zu Pferd zusammen mit seinem kleinen Sohn, ebenfalls auf dem Pferd, eine Herde Schafe einmal quer über die Straße. Wir halten kurz bis die Schafe auf der neuen Weide sind und freuen uns über das nette Winken des Mannes.

Schafe auf der Ringstraße Nordisland © Cora Berger

Eine kleine Mittagsrast legen wir an der Kreuzung der Straße 864 mit der 85 ein, hier gibt es eine Tankstelle mit Laden und Café. Gefühlt wieder mitten im Nichts. Wir essen ein Sandwich, kaufen noch was Süßes und fahren dann weiter.

Der Öxarfjörður

Irgendwann sehen wir dann das Meer vor uns. Es hat inzwischen aufgeklart, das Wetter wird immer besser hier oben im Norden. Wir befinden uns am Öxarfjörður, einer breiten Bucht. Kaum zu glauben, dass wir uns gerade am Nordatlantik, schon fast am Polarkres befinden. Das Wasser ist hellblau, wie im Urlaubskatalog der Karibik fast. Wir können es kaum fassen, im Süden hat uns das Meer immer eher an die Nordsee erinnert, grau und dunkel, wild. Wir stehen oben auf dem Aussichtspunkt, wieder fast alleine, und genießen den Blick. Die Sonne scheint, das Meer glitzert blau vor uns, Möwen lassen sich am Fels im Wind treiben. Ein Gefühl von Freiheit und Glück überkommt mich! Diese Insel, sie fasziniert und fesselt mich jeden Tag aufs Neue!

Oxafjördur © Cora Berger
Blick auf denOxafjördur

Zurück zum Mývatn

Wir folgen der Straße 85 entlang der Bucht, hinein in die nächste Bucht, Skjálfandi. Diese werden wir am nächsten Tag vom Boot aus erkunden, beim Whale Watching. Durch die „Walhauptstadt“ Islands, Húsavík, fahren wir durch. An der Tankstelle dort kaufe ich mir noch schnell einen Kaffee, dann geht es weiter auf der Straße 87. Zurück zum Mývatn. Wieder liegen einige Kilometer (Schotter-)Straße vor uns bis wir schließlich bei strahlendem Sonnenschein noch einen Blick auf den große Mückensee werfen können. Auch er schimmert heute in herrlichem türkis, der Sonne sei Dank!

Straße zum Mývatn © Cora Berger

Mývatn in der Sonne © Cora Berger

Inzwischen ist es auch wieder ziemlich warm geworden. Auf Island macht das berühmte Zwiebelprinzip sehr, sehr viel Sinn. Morgens ist es oft richtig kalt, siehe oben, am Mittag bei Sonne reicht oft der Pulli ohne Jacke, teils sogar ein T-Shirt, zumindest wenn kein Wind weht.

Goðafoss – der Wasserfall der Götter

Wir erreichen die Ringstraße und machen uns auf in Richtung Akureyri. In der Nähe der Stadt haben wir uns ein kleines Hotelzimmer für die nächsten zwei Nächte gebucht. Aber bevor wir Akureyri erreichen, liegt noch der Goðafoss, der Wasserfall der Götter, auf dem Weg. Endlich, endlich haben wir mal Sonnenschein an einem Wasserfall! Wir können unser Glück kaum fassen, schnappen uns die Kamera und auf geht’s. Der Goðafoss ist ein breiter Wasserfall mit einer Stufe. Hier fällt der Fluss Skjálfándafijót halbrund aus 12 Metern Höhe in ein Becken hinein, um dann weiter nach Norden in die Bucht Skálfjandi zu fließen. Er ist von zwei Seiten aus zugänglich, wir haben uns für den Parkplatz auf der östlichen Seite entschieden. Nach ein paar Metern zu Fuß über einen steinigen Pfad stehen wir genau vor dem Wasserfall. Hier sind wir nicht allein, viele Fotografen und andere Besucher bestaunen das Naturschauspiel. Wir machen unzählige Fotos, genießen die Natur, die Sonne, das Wasser.

Godafoss © Markus Backes
Godafoss © Markus Backes

Wir fahren schließlich weiter, die Berge hinauf über die Ringstraße. Unterwegs kommen wir noch an dem ein oder anderen kleineren Wasserfall vorbei, teils gibt es sogar Rastplätze mit Bänken und Tischen. Aber wir sind irgendwie satt an Wasserfällen heute, wollen bald am Hotel sein.

Akureyri

Die Ringstraße führt uns bis hinauf auf eine Art kleine Pass, dann liegt der Eyjafjörður vor uns. Wir fahren am Bergkamm entlang den Fjord hinein, Akureyri kommt in Sicht. Im Hafen der Stadt liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff, eine der Aidas. Sie überragt fast alle Gebäude ringsherum. Akureyri liegt von uns aus gesehen auf der anderen Seite des Fjords. Die Ringstraße führt über einen Damm. Dort biegen wir aber zunächst nach links ab, in das Tal des Flusses Eyjafjarðará. Es ist grün hier und sehr idyllisch. Links und rechts der Straße liegen einige kleine Höfe, eines davon ist schließlich unser Hotel, das Lamb Inn in Öngulsstaðir. Das kleine Hotel ist eine Unterkunft unter dem Marketingverbund „Icelandic Farm Holidays“, die man auf der Insel immer mal wieder mit ihren grünen Flaggen sieht. Wir haben uns hier ein bisschen Luxus gegönnt, Hotel mit Frühstück, eigenem Bad im Zimmer und – einfach klasse – hauseigenem Hot Tub! Wir werden sehr freundlich vom Gästehausmanager Karl Jónsson in Empfang genommen und eingecheckt. Wie der Name schon sagt, hier ist man auf Lamm spezialisiert. Das riecht man schon beim ersten Betreten.

Zimmer Hotel Lamb Inn Akureyri © Cora Berger

Karl zeigt uns unser Zimmer, es ist groß und sehr gemütlich. Der Blick geht auf das Tal, den Fluss und den benachbarten Hof. Hinter unserem Zimmer ist der Ausgang zum Terrasse, dort steht auch der Hot Tub. Windgeschützt eingebaut von Holzpalisaden hat man einen tollen Blick in die Natur beim Baden. Ach, das probieren wir auf jeden Fall noch aus. Da wir zwei Nächte bleiben werden, erkundige ich mich bei Karl nach Tipps für die Umgebung. Er beginnt mit einer Aufzählung, meint dann aber „Gib mir 20 Minuten, ich schreibe was auf“. Kurze Zeit später klopft es an unserer Tür. Karl kommt ins Zimmer, die Hände voller Papier und Flyer. Wow, mit so viel Mühe habe ich nicht gerechnet. Er hat uns Tipps aus dem Internet auf Englisch ausgedruckt, hat Flyer von verschiedenen Ausflugszielen im Tal Eyjafjarðarsveit dabei. Wir bedanken uns ganz herzlich, ein tolles Engagement, finde ich!

Wir beschließen, nach Akureyri zu fahren und etwas zu essen. Am Stadtrand finden wir einen großen Parkplatz, dort stellen wir unser Auto ab und gehen zu Fuß in die Stadt hinein. Es ist inzwischen später Nachmittag und wieder kühler geworden. Aber für die Isländer ist es scheinbar schon sommerlich, sie kommen uns zum Teil in Ballerinas und T-Shirts entgegen. Während wir die Jacken wieder an haben und den Schal um den Hals.

Häuser in Akureyri © Cora Berger

Wir machen uns auf die Suche nach Essbarem. Restaurants? Ja, gibt es. Aber fragt nicht nach den Preisen. Das Hotel ist schon Luxus für unsere Reisekasse. Wir finden eine Pizzeria. Schauen auf die Karte. Und gehen dann wieder – umgerechnet 20,- € für eine Pizza Magherita ist uns dann doch zu viel. Letztendlich essen wir in einer Art Fast Food-Laden. McD und BK gibt es übrigens auf Island nicht. Aber ähnliche Konzepte unter anderem Namen. Ich habe einen Salat, Markus isst einen Burger. Anschließend schlendern wir noch ein wenig durch Akureyri. Irgendwie ist es seltsam, nach einigen Tagen unterwegs, jetzt wieder in einer kleinen Stadt zu sein, vergleichsweise vielen Menschen zu begegnen.

Eisdiele Isbudin Akureyri © Cora Berger
Die Eisdiele von Außen

Eis essen in Akureyri

Von einem Freund haben wir den Tipp bekommen, die örtliche Eisdiele zu besuchen. Wir finden die Ísbúðin Akureyri. Die Auswahl ist, wie uns schon erzählt wurde, gigantisch. Milch- und Fruchteis, Softeis, verschiedene Größen bis hin zu einem Litereimer. Toppings. Schokolade, Früchte, Soßen, warm und kalt. Wir blicken nicht durch und müssen uns das System von einer sehr freundlichen Mitarbeiterin erklären lassen. Nach ein paar Minuten haben wir beide einen riesigen Eisbecher mit zwei Kugeln und Topping aus Frucht bzw. Schokolade und Soße vor uns stehen. Es ist einfach nur lecker!!

Eisdiele Akureyri Sorten © Cora Berger

Eisdiele Akureyri Toppings © Cora Berger

Eisbecher Akureyri 2015 © Cora Berger
Das Endergebnis

Abendliches Bad im Hot Tub

Zurück am Hotel beschließen wir, dass es jetzt an der Zeit für ein Bad im Hot Tub ist. Also schnell abgeduscht, rein in den Bikini bzw. die Badehose und raus. Wir sind alleine.

Hot Tub Lamb Inn Akureyri © Cora Berger

Es ist schon Abend, aber noch hell. Es ist Mittsommernacht, der längste Tag des Jahres. Das Wasser des Tubs ist herrlich warm, nicht so heiß wie das der Pools bei Hoffell vor ein paar Tagen. Wir genießen die Ruhe des Tals, das heiße Wasser, die Sonne und die kalte Luft. Nach einiger Zeit gesellt sich ein weiterer Hotelgast dazu, lustigerweise ein Deutscher. Der Mann vom Niederrhein ist mit seiner Tochter unterwegs, sie sind schon zum wiederholten Mal auf Island. Wir tauschen uns aus über unsere Reise, bekommen noch ein paar Tipps für die Umgebung. Irgendwann holt Markus und mich die Müdigkeit ein, Zeit für’s Bett. Für den nächsten Tag haben wir eine Tour durch das Tal und abends Whale Watching ab Húsavík geplant.

Dieser Beitrag erschien zuerst im August 2015 auf meinem Vorgängerblog „Blick auf“.

4 Kommentare zu “Roadtrip Island Tag 7 – Vom Dettifoss nach Akureyri

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  3. Schöne Serie zu eurem Roadtrip! War zwar selbst schon ein paar mal auf Island, aber ich kann mich mich einfach nicht sattlesen an Island-Berichten.
    Schöner Blog!

    • Hi Thomas,

      vielen Dank! 🙂 Unser Roadtrip 2015 war leider bisher das einzige Mal Island für mich, aber es steht ganz hoch auf der Wunschliste. Geht mir genauso, Berichte aller Art und Videos zu Island kann ich nicht genug lesen bzw. sehen.

      Viele Grüße
      Cora

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