Museum Glaumbaer Iceland 2015 © Markus Backes

Roadtrip Island Tag 9 – Glaumbaer & ein Hot Pot

Siglufjörður – Skagafjörður – Glaumbaer Museumsdorf – Hostel Saeberg

Nach zwei Nächten im Hotel Lamb Inn in Öngulsstaðir bei Akureyri machen wir uns nach einem ausgiebigen, leckeren Frühstück auf den Weg. Es geht für uns weiter nach Westen, immer weiter in Richtung Reykjavík. Es ist unser vorletzter voller Tag auf Island. Ich kann kaum glauben, dass die Zeit hier so schnell vorbei geht. Gleichzeitig fühlt es sich an als wären wir schon ewig hier. Seltsam, oder?

Aber erst einmal fahren wir in Richtung Akureyri und Dalvík, den Eyjafjörður hinauf.

Im Hafen von Akureyri liegt wieder ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Der Hafen hier ist scheinbar Anlaufpunkt für Kreuzfahrten mit Landgängen auf Island. Das hat uns auch jemand im Hotel erzählt, an diesen Tagen ist die Stadt dann auf einmal voller Menschen. Das sind die Tagen, an denen erfahrene Akureyri-Besucher und die Einwohner die Stadt eher meiden, hören wir. Faszinierend ist es trotzdem, wie riesig das Schiff ist im Vergleich zur Stadt.

Kurz nach Akureyri verlassen wir die Ringstraße auf die Straße 82, weiter am Fjord entlang. Unter uns im Fjord sind gerade zwei Schiffe unterwegs, die beide auf einen Punkt im Wasser zu steuern. Das kommt mir von gestern Abend so bekannt vor, dass ich das Wasser beobachte – und plötzlich den Blas eines Wals erkennen kann. Wir halten kurz an einer Bucht am Straßenrand und starren angestrengt in das Blau. Es sind zwei Wale zu sehen, wir erkennen die Fluken beim Abtauchen, die schwarzen Rücken der Tiere schimmern. Sie tauchen noch ein-, zweimal auf, atmen sichtbar aus. Wir fahren weiter, ich erwische mich dabei, wie ich immer das Wasser rechts neben und unter mir starre, in der Hoffnung, noch einen Wal zu sehen. Schlimm. Dabei ist der Fjord so schön, das Wetter meint es wieder gut mit uns. Alles ist grün um uns herum, bunt von vielen Blüten. In der Sonne schimmern die schneebedeckten Spitzen der Vulkane in der Ferne. Herrlich, was haben wir wieder für ein Glück!

Whale Watching Eydafjördur © Cora Berger | greenshapedheart.de
Seht ihr die zwei Whale Watching-Schiffe?

Eyjafjördur in der Sonne © Cora Berger | greenshapedheart.de

Es wird mal wieder dunkel – in den Tunneln

Die Straßen 82 und 21 überraschen uns mit Tunneln. Zum ersten Mal ist es mal ganz kurz richtig dunkel um uns herum – witziges Gefühl. Die Tunnel sind eng, es gibt alle paar Meter eine Ausweichbucht, die in den Stein gehauen ist. Wir hoffen inständig, dass uns kein Auto entgegen kommt. Im ersten Tunnel klappt es, im zweiten kommt uns dann doch jemand entgegen. Man kann den Gegenverkehr ganz gut erkennen, daher ist es an sich kein Problem. Zum Teil gibt es sogar Ampeln, die die Einfahrt in den Tunnel regeln.

Siglufjörður

Die kleine Stadt Siglufjörður im gleichnamigen kleinen Fjord im Nordden war früher eine Hochburg der Heringsfischerei. Rund um den Hafen, der gefühlt den größten Teil des Ortes ausmacht, stehen kleine bunte Häuser und bunte Lagerhallen. Ein Restaurant und ein Café mit ihren Tischen und Stühlen direkt am Hafen wirken sehr einladend und gemütlich.

Cafés am Hafen vo Siglufjördur © Cora Berger | greenshapedheart.de
Im Hafen vo Siglufjördur

Boot im Hafen von Siglufjördur © Cora Berger | greenshapedheart.de

 

Etwas weiter an der Straße stehen mehrere große Hallen aus Holz, aus denen gerade eine Busladung Menschen strömt. Das örtliche Heringsmuseum, „Herring Era Museum“ oder Síldarminjasafnið, ist hierin zu finden. Außen an der Straße stehen Infotafeln, das soll uns für heute reichen.

Heringmuseum in Siglufjördur © Cora Berger | greenshapedheart.de

 

Siglufjörur Heringmuseum © Cora Berger | greenshapedheart.de

Überhaupt bin ich im Moment wieder mehr von der Landschaft und dem tollen Wetter fasziniert!

Wir kaufen noch schnell im lokalen, kleinen Supermarkt ein, dann geht es für uns weiter, in den Skagafjörður hinein. Die Straße 76 führt uns von am Rande des Fjords entlang, durch kleine Örtchen, wie Hófsos und Kolkuós. Inzwischen ist es früher Nachmittag, Zeit für ein Mittagessen. An einem Rastplatz mit Bänken und Tischen machen wir Halt. Es zieht, der Wind ist stark und kalt. Schnell kochen wir uns auf unserem Campingkocher Wasser auf und löffeln unsere heiße Fertigsuppe.

Campingkocher an der Nordküste Islands © Cora Berger | greenshapedheart.de

Meer – blau wie in der Karibik

Am südlichen Rand des Skagafjörður queren wir eine Art Flussdelta, hier trifft der See Héradsvötn auf das Wasser des Fjords. Auf der Straße 76 fahren wir über das Delta – und sind sprachlos. Das Wasser im Fjörd und in diesem See sind hellblau. Wie man es aus Urlaubskatalogen zur Karibik kennt. Oder anderen sommerlichen Traumreisezielen, deren Strände aus ganz hellem, feinem Sand bestehen. Wie kommt das hier bloß zu Stande, frage ich mich heute noch. Wieder einmal überrascht uns Island sehr.

Auf einer Art Halbinsel bei Vesturós begegnen wir dann einem alten Mann aus Metall, der die Bucht überblickt. Es ist die Skulptur des Fährmanns Jón Ósmann (1862 – 1914), wohl einer der bekanntesten Fährmänner Islands, der mehr als 40 Jahre im Dienst war und sein Leben komplett auf seine harte Arbeit ausgerichtet hat. Erklärt uns eine Infotafel neben der Skulptur.

Statue des Fährmanns bei Vesturos © Markus Backes
© Markus Backes

Fjord bei Vesturos © Cora Berger | greenshapedheart.de

Torfdorf und Museum Glaumbaer

Weiter geht es für uns auf der Straße 75 zurück in Richtung Ringstraße. Unterwegs kommen wir am Museumsdorf Glaumbaer vorbei, einem Gehöft aus Torf. Der alte Hof liegt in der Nähe des Ortes Varmahilð und wird gerne von Islandreisenden besucht. Als wir dort ankommen, ist es gerade ruhig, nur ein paar wenige Autos stehen auf dem Parkplatz. Der kleine Hof, komplett aus Torf erbaut, liegt auf einem kleinen Hügel inmitten einer grünen Wiese vor uns. Am Fuße des Hügels steht ein schmales Haus aus Stein, hier befindet sich ein Kaffee. Nebenan gibt es einen Souvenirshop. Wir gehen weiter den Weg hinauf zu den Torfhäusern. Von außen zu besichtigen sind nur die ehemaligen Werkstätten, 3 Häuser insgesamt. Rechts daneben geht es ins Wohnhaus, hier zahlt man dann den Eintritt zu den restlichen Räumen. Pro Person 1.200 ISK, dann können wir uns diesen historischen Hof von innen anschauen. Eine kleine Einführung gibt es zu Beginn noch, dann betreten wir den Gang.

Glaumbaer Gang © Markus Backes
© Markus Backes

Die Bauweise ist faszinierend. Wir stehen in einem dunklen Gang, links und rechts erkennt man die einzelnen Torfklumpen, die wie Backsteine aufeinander geschichtet sind. Immer wieder gehen Gänge bzw. Räume rechts und links ab. Jeder Raum hat seinen Zweck, sie sind sinnvoll nacheinander angeordnet und eingerichtet wie es früher einmal war. Küche, Vorratsraum, Aufbewahrungsraum für Werkzeuge, großer Wohn- und Schlafraum. Hier stehen schmale Betten, meist für 2 Personen gedacht. Alle Bewohner schliefen hier, bis später ein Wohnhaus dazu kam. In diesem befindet sich das vorhin genannte Café.

Glaumbaer Küche © Markus Backes
© Markus Backes

Die Räume im Torfhof sind niedrig und kühl, aber durch den Torf bestens isoliert. Am hinteren Ende des Hofs verlassen wir den Hof wieder und stehen vor der Rückseite der dreieckigen Gebäudeteile. Nebenan befinden sich die weiß gestrichene Kirche und der Friedhof, die ebenfalls zum Gehöft gehören.

Landschaft rund um Glaumbaer © Cora Berger | greenshapedheart.de

Inzwischen ist wieder ein Bus angekommen, es wird deutlich voller – Zeit für unsere Abfahrt. 🙂 Unser nächster und letzter Stopp des Tages ist unser Hostel Saeberg, das auf unserer großen Islandkarte nicht mal verzeichnet ist.

Islandpferde an der Ringstraße © Cora Berger | greenshapedheart.de

Wir suchen eine Weile, finden dann die richtige Abfahrt. Direkt am Hrútafjörður am Ende einer Schotterstraße steht ein weißes, zweigeschossiges Gebäude. Wir sind früh dran, deswegen ist auch noch nicht viel los. Wir rufen die Nummer auf dem Zettel im Gang an, damit jemand vorbei kommt und uns in Empfang nimmt. Eine junge Frau, wie so oft bei den HI Hostels, ist innerhalb weniger Minuten da. Sie händigt uns unseren Zimmerschlüssel aus und erklärt uns das Hostel. Hey, das Hostel hat einen eigenen Hot Tub! Super gut!

Baden im Hot Tub am Hostel Saeberg

Wir beziehen unser Zimmer, das sich im Kellergeschoss befindet, direkt gegenüber den Duschen und Toiletten. Ich beschließe, eine kleine Runde laufen zu gehen, danach wollen wir in den Hot Tub.

An der Schotterpiste zum Hostel hin fließt ein kleiner Bach, der ordentlich vor sich hin dampft. Als ich daran vorbei laufe, merke ich, dass er voll mit heißem Wasser ist, und hinab zum Fjörd hin fließt. Faszinierend, finde ich. Ich beende meine Laufrunde. Markus kommt mir kurz vor dem Hostel strahlend entgegen und berichtet mir von seiner Entdeckung. Der kochende Bach wird ein kleines Stück weiter, kurz vor dem Fjord, gestaut. Hier hat jemand einen natürlichen Hot Tub angelegt, komplett aus Steinen gebaut. Ob wir da wohl rein dürfen? Markus fragt im Hostel nach. Die Antwort: „Habt ihr das Wasser getestet? Wenn es nicht zu heiß ist, dann geht das.“ Es ist nicht zu heiß. Also springen wir schnell zum Abduschen unter die Dusche, ziehen unsere Badesachen drunter, schnappen uns unsere Handtücher und laufen, aufgeregt wie Kinder an Weihnachten, zum Hot Tub. Den wir, im Gegensatz zu dem Plastiktub des Hostels, ganz für uns allein haben. Wir können unser Glück kaum fassen, seit Beginn unsere Reise hoffen wir darauf, einen natürlichen Hot Tub zu finden und darin zu baden. Wir steigen ins doch sehr warme, aber angenehme Wasser. Liegen darin, genießen den Blick auf den Fjord, hören ein paar Meter weiter die kleinen Wellen des Meerwassers ans Ufer klatschen. Ein paar Enten kommen schnatternd vorbei. Der Wind rauscht, wie fast immer. Hach, was für ein Abschluss unseres vorletzten vollen Tages auf Island.

Natural hot pot Saeberg © Markus Backes
© Markus Backes

Zufrieden und glücklich kommen wir nach einiger Zeit wieder in unserem Zimmer an. Inzwischen ist es 19 Uhr, wir kochen uns ein paar Nudeln und planen unseren nächsten Tag, die letzte Etappe. Reykjavík liegt vor uns. Ich bin gespannt auf dieses letzte Stück unserer Reise, auf die Stadt. Und schon ein wenig traurig, dass dieser Roadtrip, mein Traum, schon bald Erinnerung sein wird. Aber eine bleibende Erinnerung, eine wunderschöne Erinnerung!

Dieser Beitrag erschien zuerst im September 2015 auf meinem Vorgängerblog „Blick auf“.

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