Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Klettersteigen Vol. 1: Mittelrhein-Klettersteig Boppard

Es ist Sonntagabend, ich sitze wieder daheim in der Abendsonne und bin noch immer ziemlich geflasht von den letzten beiden Tagen, die hinter mir und dem Herzmann liegen. Freitagabend haben wir uns nämlich für anderthalb Stunden ins Auto gesetzt und sind einmal quer durch den Hunsrück gefahren. Quasi bis an den Rhein. Fast zumindest. Unser Ziel: Die Schmausemühle im idyllischen Baybachtal, irgendwo im Nirgendwo, so scheint es bei einem Blick auf die Karte, in meinen Augen eine wunderbare Basis für all die Ausflüge, die ich schon so lange machen will. Allen voran: Die Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig in Boppard.

Samstagmorgen, 10:30 Uhr. Es ist jetzt schon warm an diesem Tag Ende August. Wir parken am St. Remigiusplatz in Boppard, löhnen die Tagesgebühr von 4,- € am Automaten und tauschen unsere Sneakers gegen die Wanderschuhe. Bewaffnet mit unseren Klettergurten, kurzen Radhandschuhen und Klettersteigset – danke noch mal, Kolja und Kristina, für’s Ausleihen der Sets! – sowie unseren Rucksäcken und viel Wasser marschieren wir los, durch die kurze Unterführung und zum Startpunkt.

Einstieg zur Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig in Boppard © Cora Berger | greenshapedheart.de

Starttafel Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Ein kaum zu übersehendes Schild weist uns den Weg weg von der Straße in eine kleine Sackgasse. Hier brauchen wir allerdings einen Moment, dann erst sehen wir den schmalen Pfad am Zaun, der uns zum ersten Aufstieg führt. Am Abend vorher hat es gewittert und geregnet, der Boden ist nass und die Steine sehr glitschig. Na, das wird spannend, denke ich mir. Gleichzeitig merke ich die beginnende Schwüle in der Luft und bin heilfroh, mich heute für Top und kurze Hose entschieden zu haben.

Felsige erste Meter auf der Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Los geht’s auf dem Mittelrhein-Klettersteig

Wir kraxeln die Steine hoch, die hier oben in der Sonne schon getrocknet sind, und kommen an die erste Weggabelung der Traumschleife. Hier trennen sich die „Wandervariante“ und die „Klettervariante“, hier weist auch ein großes Schild auf die Gefahren des Klettersteigs hin und gibt Tipps für das Begehen.

Schild am Einstieg zur Klettervariante Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

„Kinder und Ungeübte“ nur mit Sicherung, so ein Hinweis. Also eines vorweg: Ich persönlich wäre die Kletterstellen sicher nicht ohne Klettergurt und Steigset gegangen. Ja, ich habe etwas Höhenangst, aber wer mich kennt, weiß auch, dass ich (inzwischen leider viel zu wenig) klettere, daher würde ich mich bzw. uns nicht zu den Ungeübten zählen. Nun ja, das bleibt jedem selbst überlassen, aber ich kann nur sagen: Besorgt euch hierfür Ausrüstung (z. B. am Verleih an der Aral Tankstelle in Boppard oder bei lieben Freunden ;-)), einen Sturz würde ich hier an keiner Stelle riskieren.

So steigen wir also mit Blick auf Boppard in unsere Gurte und stiefeln los. Eine Kante liegt vor uns, dahinter geht es über eine Leiter aus Stahl ein paar Meter senkrecht abwärts. Zum Einstieg voll ok, auch das Ein- und Ausklippen des Steigsets klappt gut.  Ein schmaler, Traumschleifen-typischer Pfad führt uns am Hang entlang mit Blick auf den Rhein zur nächsten Kletterstelle. Hier gilt es, zwei lange Leitern zu überwinden, anschließend geht es auf Steighilfen aus Stahl, die in den Stein verankert sind, steil bergauf.

Lange Leiter an der Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Steil bergauf am Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Gut gesicherte Kletterstellen

Alle Kletterstellen sind übrigens sehr gut mit einem dicken Stahlseil abgesichert und mit einem „Rettungspunkt“ durchnummeriert. Auch die Tritte sehen vertrauenerweckend aus und es macht mir keinerlei Probleme, mich da tatsächlich einfach drauf zu stellen. Und das will was heißen, denn mir sind Treppen und Plattformen schon unheimlich, wenn ich nach unten durch gucken kann… Aber gut, hier vertraue ich natürlich auch zusätzlich auf meine Sicherung durch Klettergurt und Steigset.

Inzwischen danke ich den Erfindern der Funktionskleidung, denn in der Hitze und Schwüle und bei der Anstrengung mitten im Schiefer ist kaum noch etwas an mir trocken… Immer wieder wechseln sich jetzt Kletterstellen und schöne Wanderpassagen ab. Das gibt ein wenig Luft zum Verschnaufen, aber auch die Wanderteile des Mittelrhein-Klettersteigs sind hier nicht zu unterschätzen. Nicht umsonst sind diese 5 Kilometer Traumschleife als „schwer“ eingestuft.

Leiter mit Aussicht, Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Traumschleifen haben Kilometerschilder. Sollten zumindest. Wir wandern und klettern und kommen an keinem Schild vorbei. Und dann: Doch, da ist ein Schild! Kilometer 1 steht darauf. Wir müssen grinsen und sind ehrlich erstaunt, denn für unser Gefühl sind wir schon echt lang unterwegs. Krass, wie lang sich ein Kilometer ziehen kann, wenn es so steil bergauf geht und man so viel kraxelt zwischendrin. Es macht Spaß, das Kind in mir will gar nicht mehr aufhören. Kennt ihr das? 😉

Das Beste kommt zum Schluss

Über Leitern und Trittbügel geht es mehr bergauf als bergab, dann folgt das für mich spannendste Stück. An einer Felswand entlang geht es relativ ausgesetzt über Trittbügel, mit weitem Blick auf den Rhein, die Bahnschienen und die Umgebung. Allzu tief geht es aber nicht runter unter den Bügeln, daher komme ich hier gut klar.

Hoch über dem Rhein auf der Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Der Herzmann auf dem Weg nach oben, Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Das für mich schönste Stück der Klettervariante wartet aber noch auf uns. Mitten im Wald, nach Querung eines kleinen Rinnsals, geht es zunächst zwei Meter ohne Seilsicherung auf Trittbügeln steil nach oben. Für die nächsten paar Meter geht es geradeaus die Wand hoch, dieses Mal mit Sicherung. Der Blick zwischen den Kronen der umstehenden Bäumen durch ist grandios, die Atmosphäre hier im dichten Laubwald direkt am Fels irgendwie fesselnd und wunderschön!

Steiler Aufstieg am Fels, Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Blick nach unten an der Märchenstelle © Cora Berger | greenshapedheart.de
Blick nach unten auf dem ungesicherten Stück…

Viel zu schnell vorbei…

Durch den Wald geht es auf einem schmalen Pfad bergauf. Wir treffen wieder auf die Wandervariante und stehen auf einem kleinen Felsplateau mit weiter Aussicht und einer Bank. Die Sonne brennt hier, ein toller Platz für Eidechsen, wie uns ein kleiner, flinker Zeitgenosse mit Mittagessen im Maul gleich mal bestätigt.

Eidechse auf der Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de
Suchbild 😉
Ausblick auf den Rhein vom Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de
Blick auf den Bopparder Hamm

Wir wandern weiter, die Steigung wird moderater und wir tauchen wieder in den Wald ein. Irgendwie habe ich das Gefühl „das war’s jetzt“ und beschließe, die Kletterausrüstung in den Rucksack zu packen. Und tatsächlich, es folgen keine weiteren Kletterstellen mehr. Die gesicherten Kletterstücke befinden sich also in etwa auf den ersten 2,5 Kilometern, dann geht es auf der Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig auf typischen Pfaden weiter.

Pfad auf der Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de

Vierseenblick, Gedeonseck und die Sesselbahn

Je näher wir den Ausflugsgaststätten „Vierseenblick“ und „Gedeonseck“ kommen, umso voller wird es. Bis hier hoch kann man auch mit dem Auto fahren, das macht sich bemerkbar. Schön ist der Blick von der Terrasse des Lokals „Vierseenblick“ trotzdem. Der Rhein liegt in einer Schleife vor uns, man sieht aber tatsächlich vier Seen statt eines Flusses. Wir beschließen, hier eine Pause zu machen. Es gibt KEIN einziges vegetarisches Gericht auf der Mittagskarte, daher genehmige ich mir nur einen Eiskaffee.

Vierseenblick am Mittelrhein-Klettersteig © Cora Berger | greenshapedheart.de
Der Vierseenblick

Im Nachhinein wären wir besser einfach ein paar Meter weiter zum Lokal „Gedeonseck“ gegangen. Hier sitzt man ebenfalls sehr schön und die Schilder auf der Terrasse preisen vegetarische und sogar vegane Gerichte an, die noch echt lecker klingen. Na, beim nächsten Mal eben, hinterher ist man immer schlauer. 😉

Zum Abstieg nach Boppard entscheiden wir uns für die Sesselbahn und steigen an der Bergstation ein. Die Fahrt nach unten in der offenen Bahn verlangt mir fast mehr Nervenstärke ab als der gesamte Klettersteig, die Fahrt über den Abgrund finde ich jetzt verdammt gruselig… Vor etlichen Jahren bin ich hier schon mal bergab gefahren, damals war’s nicht besser, erinnere ich mich jetzt. Gut, Blick geradeaus auf die Umgebung, nicht nach unten, das ist hier wieder ein gutes Credo. Für einen kurzen Moment sehen wir sogar rechts neben uns im Wald die Hunsrückbahn, die wohl gerade auf der Rückfahrt von Emmelshausen nach Boppard ist.

Abfahrt in der Sesselbahn Boppard © Cora Berger | greenshapedheart.de
Immer lächeln, wenn auch skeptisch… 😉

Blick von der Sesselbahn Boppard © Cora Berger | greenshapedheart.de

Der Blick aus der Sesselbahn auf Boppard und den Rhein ist toll, auf den letzten Metern habe ich mein flaues Gefühl im Magen schon fast vergessen. An der Talstation steigen wir aus, zahlen unsere Fahrt und schlendern zurück zum Auto.

Mein Fazit

Klettersteigen macht echt Spaß! Der Mittelrhein-Klettersteig ist als Einsteig, so finde ich, gut geeignet. Ich konnte mich selbst an ausgesetzten Stellen und hohen Leitern testen – und hatte echt viel Freude damit. Es war aber auch wirklich anstrengend, der Herzmann und ich waren nach all den Aufstiegen ziemlich nass…

Die Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig ist kein einfacher Weg, die ersten Kilometer führen nur bergauf, aber es lohnt sich. Tolle Ausblicke, teils schöne Kraxelstellen, auch an den Nicht-Kletterstellen, und schmale Pfade durch die Wälder oberhalb von Boppard auf den letzten Kilometern. Es lohnt sich!

Und jetzt zu Dir: Welchen Klettersteig bist Du schon gegangen und kannst Du mir empfehlen? Ich freue mich über Deine Tipps, lass mir gerne einen Kommentar da!

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3 Kommentare zu “Klettersteigen Vol. 1: Mittelrhein-Klettersteig Boppard

  1. Wenn ich die Bilder sehe muss ich einige Jahre zurück denken. Mein erster Versuch ist gescheitert, ich hatte schon an der zweiten Leiter solch eine Panik, dass ich auf die Wandervariante abgebogen bin.

    Ein Jahr später, Versuch zwei ist geglückt. Es war ein tolles Gefühl oben an der ersten Aussicht zu stehen, es geschafft zu haben. Keine Ahnung, ob ich das noch einmal wagen würde, vielleicht mit Sicherung.

    Alle Achtung, dass Du Dich das mit Höhenangst traust!!

    Liebe Grüße
    Elke

    • Liebe Elke,

      ja, das kann ich gut verstehen. Die zweite Leiter ist schon auch heftig, wenn man Höhenangst hat. Allein dieses Rübersteigen auf die erste Sprosse… Ich vertraue zum Glück meiner Sicherung, ohne Klettersteigset hätte ich es wahrscheinlich auch nicht gemacht. Dank der Kletterei in der Halle in den letzten Jahren ist es deutlich besser und das Vertrauen in das Material deutlich höher geworden. Es freut mich, dass es bei Dir beim zweiten Versuch geklappt hat! Es lohnt sich ja schon sehr, finde ich.

      Liebe Grüße
      Cora

  2. An diesem Klettersteig bin ich bei einer Fernwanderung vor zwei Jahren vorbei gekommen, leider fehlte mir etwas der Mut, mich daran zu versuchen. Nachdem ich jetzt diesen Text gelesen und die schönen Bilder gesehen habe, denke ich, dass ich es vielleicht doch hätte versuchen sollen. Vielleicht beim nächsten Mal 🙂
    Liebe Grüße
    Ingmar

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