Traumschleife Frau Holle Premiumweg © Cora Berger | greenshapedheart.de

Was ist eigentlich ein Premiumwanderweg?

Qualitätsweg, Leading Quality Trails, Premiumwanderweg – Wenn Du noch neu in der Welt des Wanderns bist, wirst Du früher oder später irgendwo auf eine oder all diese Begriffe treffen. Immer wieder erlebe ich aber, sowohl als Bloggerin als auch in meinen Beruf, dass Wanderer und Wanderinteressierte den Unterschied nicht oder kaum kennen und die Begriffe teils durcheinander geschmissen werden. Deswegen möchte ich Dich heute mit auf einen Exkurs in die Welt der Premiumwanderwege nehmen. Bist Du bereit für ein bisschen Theorie? Na dann los!

Die drei oben genannten Begriffe sind alles Zertifizierungen, die ein Wanderweg unter bestimmten Voraussetzungen erhalten kann. Man kann seinen Weg aber entweder als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland oder als Premiumweg zertifizieren lassen, beides geht nicht.

Traumschleife Zwei-Täler-Weg im Herbst © Cora Berger | greenshapedheart.de
Schmale Pfade – ein wichtiger Bestandteil eines Premiumwegs

Wer zertifiziert einen Premiumwanderweg?

Für die Zertifizierung zum Premiumwanderweg ist das Deutsche Wanderinstitut e.V. in Marburg zuständig. Dort haben sich Wanderexperten aus verschiedenen Bereichen zusammengetan, um das Wandern in Deutschland und Europa zu fördern und schöne Wandergebiete entstehen zu lassen. Die Mitglieder betreiben Forschung und Entwicklung, beraten Wanderdestinationen und Touristiker und haben im Zuge dessen das „Deutsche Wandersiegel für Premiumwege“ entwickelt.

Wie wird ein Premiumweg zertifiziert?

Regionen oder Orte, die einen Wanderweg gebaut haben (ja, dafür kann man und muss man teils Wegebau betreiben) oder einen bestehenden Weg zum Premiumweg zertifizieren lassen möchten, beauftragen das Deutsche Wanderinstitut mit der Prüfung und Zertifizierung des Weges. Anschließend begehen die Experten den kompletten Weg mit GPS-Gerät und Kriterienkatalog bzw. Prüfbogen. Dabei werden Pluspunkte, aber auch Minuspunkte pro Kilometer vergeben.

Was sagen noch gleich die Erlebnispunkte aus?

Insgesamt 34 Kriterien werden bei der Begehung unter die Lupe genommen. Dazu und zählen zum Beispiel der Belag des Weges, das Naturerlebnis, die Beschilderung, Sehenswürdigkeiten und Abwechslungsreichtum. Welche Kriterien es genau sind, liest Du am besten auf der Webseite des Deutschen Wanderinstituts nach.

Am Schluss erhält der Weg dann eine bestimmte Punktzahl der sogenannten Erlebnispunkte und darf sich ab dem Erreichen einer Mindestpunktzahl dann Premiumwanderweg nennen. Bei Rundwegen sind das 45 Erlebnispunkte (Stand März 2017). Die Zertifizierung des Deutschen Wanderinstituts ist drei Jahre gültig, danach muss der Weg wieder geprüft werden.

Bei der Punktevergabe unterscheidet sich ein Premiumweg von einem Qualitätsweg, denn bei den Qualitätswegen gibt es nur das Prinzip „bestanden oder nicht bestanden“. Qualitätswege Wanderbares Deutschland werden übrigens vom Deutschen Wanderverband zertifiziert, das nur nebenbei.

Holzschild Traumschleife Gipfelrauschen © Cora Berger

Und was sind jetzt Traumschleifen, Traumpfade, Nagelfluhschleifen etc.?

Je nach Region wird ein Premiumweg nach seiner Zertifizierung Teil einer regionalen Wegemarke, also im Prinzip einem Marketing mit regionaler Zuordnung. Hier, in der Region Saarland und im angrenzenden Hunsrück sind das die Traumschleifen Saar-Hunsrück, direkter Nachbar sind die Traumpfade Rhein-Mosel-Eifel und die Seitensprünge an der Mosel. Es gibt noch einige Premiumwege im Saarland mehr, die aber nicht unter einem Marketingbegriff laufen Kennst Du die saarländischen Tafeltouren? Das sind auch alles Premiumwege, aber nur drei davon sind zum Beispiel Traumschleifen.

In der Region Oberstaufen heißen die Premiumwege dann Nagelfluhschleifen, im hessischen Ederbergland Wandermärchen. Und so gibt es inzwischen viele, viele Wegemarken. Wenn Du wissen möchtest, welche Wege in Deiner Region Premiumwege sind, dann empfehle ich Dir: Schau auf die Webseite des Deutschen Wanderinstituts, dort kannst Du nach Land und Bundesland sortieren oder in der Suche den Namen des Weges eingeben.

Premiumweg Pause mit Aussicht Traumschleife Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Was bringt mir als Wanderer das Siegel Premiumwanderweg?

Wandern ist wieder „in“ und daher sprießen, für mein Gefühl, in allen Winkeln Deutschlands Wanderwege ohne Ende. Das ist wunderbar! Aber: Wie soll man sich bei all der Auswahl entscheiden? Nur aus der Beschreibung heraus erahnen, ob der Weg viel Natur, schmale Pfade und schöne Aussichtspunkte hat? Ja, das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit ist, sich einen zertifizierten Premiumwanderweg in der ausgesuchten Region zu suchen und sich an den Erlebnispunkten zu orientieren. Wer sich ein wenig mit den Kriterien auseinander gesetzt hat, weiß, dass auf Premiumwanderwegen nur wenig Asphalt und ganz viel Natur angesagt ist.

Letztendlich ist das Siegel Premiumwanderweg also ein Versprechen an uns Wanderer für ein naturnahes Erlebnis auf schmalen Pfaden, mit schönen Aussichten, Bänken, tiefen Tälern und viel Abwechslung. Und ganz wichtig: Die durchgängige Beschilderung. Dieses Versprechen auch nach längerer Zeit nach der Zertifizierung zu halten, ist eine Frage der Pflege der Wegebetreiber. Meist kann man als Wanderer dabei helfen, in dem man fehlende Schilder oder kaputte Bänke meldet.

Eine wichtige Anmerkung noch: Premiumwanderwege sind meistens keine ganz leicht zu gehenden Wege. Sogenannte Waldautobahnen, also breite, vielleicht sogar befestigte Wege, sind im Prinzip das Gegenteil eines Premiumwegs. Das heißt, sie sind nicht für Kinderwagen geeignet. Außerdem sind feste (Wander-)Schuhe wichtig, da es – im besten Fall – oft über Wurzeln und Pfade geht, der Weg eventuell steil ist oder rutschige Passagen hat.

Vereister Steg am Georgi-Panoramaweg © Cora Berger | greenshapedheart.de

Soweit mein kleiner Exkurs zum Thema Premiumwanderwege. Wart ihr schon auf einem Premiumweg unterwegs? Oder einem Qualitätsweg? Was sind eure Erfahrungen damit?

Meine eigenen Wandererlebnisse findest du zum Nachlesen übrigens in der Kategorie Wandern. Viel Spaß beim Stöbern, inspirieren lassen und nachwandern.

12 Kommentare zu “Was ist eigentlich ein Premiumwanderweg?

  1. Die ganzen Zertifizierungen für Wanderwege haben auch diverse Nachteile und dienen primär der Vermarktung. Was nutzt mir beispielsweise ein Premium-Wandersiegel, wenn dafür der Weg extra an lokalen Sehenswürdigkeiten vorbei und über schlecht gewartete und zugewucherte Pfade geführt wird (nur um ein paar Meter Asphalt zu sparen und die Zertifizierungskriterien zu erfüllen). Kommentar der Locals: „Da läuft ja auch kein normaler Mensch lang …“.
    Die Zertifizierungskriterien entsprechen einfach nicht immer den Interessen der Wanderer. Was bringt mir beispielsweise ein zertifizierter Weitwanderweg durch Nationalparks, bei dem ich auf mehreren Etappen extra absteigen und mit dem Bus zu einer Unterkunft fahren muss, da Herbergen / Biwakplätze am Weg fehlen?

    • Hallo Stefan,

      Schlecht gewartete und zugewucherte Wege ist genau das, was eben nicht „premium“ ist. Hier ist es wieder Sache der Wegebetreiber, solche Mängel zu beheben oder bestenfalls erst gar nicht aufkommen zu lassen. Ich gebe Dir Recht, da hapert es an einigen Stellen, die Pflege eines solchen Weges ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Aber wir Wanderer können helfen, in dem wir auf solche Dinge hinweisen.
      Biwak im Nationalpark ist so eine Sache, mit der sich die Ämter schwer tun, da dort ja ganz andere Fokuspunkte gelten. Ich hoffe aber auch, dass da noch Bewegung rein kommt und es Trekkingamos an vielen Wegen in unserem schönen Deutschland geben wird. Übrigens: Viele Gastgeber an oder in Nähe von Fernwanderwegen lassen sich übrigens gerne auf Transfers ein und holen Dich an einem ausgemachten Punkt ab. 🙂

      • Biwak im Nationalpark ist zum Beispiel in Tschechien kein Problem. Während Du im Nationalpark Bayrischer Wald nicht zelten darfst, kannst Du ein paar Meter weiter im Nationalpark Šumava unter strikten Regeln durchaus dein Zelt aufbauen. In Bayern kannst Du hingegen (schon seit Jahren) wegen der Brandschutzbestimmungen nicht einmal mehr im Waldschmidthaus am Rachel übernachten. Stattdessen: Runter vom Berg, mit dem Bus in den nächsten Ort (wo Dich längst nicht jede Unterkunft für nur eine Nacht aufnimmt) und am Folgetag das ganze wieder retour. Deutschlands längster Premium-Wanderweg, der 660 km lange Goldsteig, ist da zum Teil wirklich nicht sehr wander- und umweltfreundlich. Und private Personentransporte haben sicher eine noch schlechtere Ökobilanz als der ÖPNV …

        Dass es durchaus anders gehen kann beweist der (als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zertifizierte) Altmühltal Panoramaweg – hier können Wanderer in Pensionen und Gasthäusern oder aber auf zum Teil sehr idyllischen Camping- und Bootsrastplätzen übernachten.

        Meine Meinung: Siegel für Wanderwege sind nicht viel besser als die vielen Bapperl auf unseren Lebensmitteln. Die beste Zertifizierung für Wanderwege ist immer noch die Erfahrung Gleichgesinnter …

        • Hallo Stefan,

          Ich verstehe und respektiere Deine Meinung, danke für den guten Austausch.

          Die Gasthäuser/Unterkünfte sind aber bei der Zertifizierung eines Weges nur eines von vielen Kriterien, das Thema an sich ist für den Wanderer aber absolut wichtig, keine Frage.

          Du bist jetzt ein sehr erfahrener Wanderer, kannst sicherlich auch mit Karte und Kompass umgehen und kommst ohne Beschilderung klar. Das kann aber nicht jeder. Da Wandern immer mehr bei uns allen ankommt und immer mehr Leute raus in die Natur wollen, die bisher nur den Stadtpark kennen (um es mal überzogen zu sagen ;-)), finde ich die Zertifizierungen gerade für diese „Zielgruppe“ eine gute Sache. Immer unter der Voraussetzung, dass die Wegebetreiber ihre Sache gut machen, kann der unerfahrene Wanderer dann auf das Versprechen des Siegels bauen – gute Beschilderung, Abwechslung in der Wegeführung, schöne Aussichten und Landschaften etc. Ich persönlich muss für mich sagen, dass ich gerne auch mal faul bin und nach Beschilderung laufe und mich der Inszenierung des Weges hingebe. Auf den Premiumwegen weiß ich, dass genau das gut funktioniert.

          Ich finde, es ist wie mit allen Siegeln und Bappern: Ich muss mich damit beschäftigen, sehen, was diese aussagen, ob sie überhaupt etwas aussagen, und wenn ja, ob das etwas für mich ist oder nicht.

  2. Hallo Cora,

    endlich mal ein guter Artikel, der die ganzen Zertifizierungen erklärt. Danke dafür!
    Ich persönlich bin froh über diese Orientierungshilfe, wenngleich es nicht bedeutet, dass jeder Premiumweg auch schön für einen selbst ist. Ich hatte auch schon großes Pech und prüfe jeden Weg daher vorher auf der Karte. Wenn beispielsweise viele Ortschaften in der Nähe sind oder der Weg gar durch mehrere hindurch führt, fällt er aus meiner Planung heraus. Einfach, weil es dann schnell laut wird und gerne auch mal nach Hundepipi riecht 😉 Für andere wiederum kann er total in Ordnung sein, da es dort dann Einkehr- und Schlafmöglichkeiten gibt. Nur nach Bewertungen anderer Wanderer gehe ich auch nicht, auch da bin ich schon enttäuscht worden. All diese Möglichkeiten können eben nur Orientierung geben, den letzten Rest muss der persönliche Geschmack entscheiden.

    Liebe Grüße
    Bianca

    • Hallo Bianca,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Meinung. Eine solche Nutzung dieser Zertifizierungen als Orientierungshilfen, zusammen mit einem vorherigen Blick auf die Karten klingt für mich nach einer guten Idee und zur Nachahmung empfohlen. 😊 Mit der Zeit wird sicher jeder Wanderanfänger/Wanderer dann seine Vorlieben kennenlernen und entsprechend planen, ob mit oder ohne Zertifizierung.

      Liebe Grüße
      Cora

  3. Hallo Cora,

    vielen Dank für den Artikel! Ich wusste bisher nicht, wie sich so ein Premiumweg definiert. Ich musste bei der Lektüre allerdings auch etwas schmunzeln – Deutsches Wanderinstitut, Erlebnispunkte, Zertifizierung, … das klingt für mich ein bisschen nach Loriot und typisch deutscher Gründlichkeit 😉 Der „Abenteuerfaktor“ einer Wanderung geht dabei ja etwas verloren.

    Aber, wie auch Bianca geschrieben hat, können diese Qualitätswege sicher eine (von mehreren) Orientierungsmöglichkeit bieten. Ob es hunderprozentig für einen selbst passt, muss jeder selber wissen – je mehr Erfahrung man im Wandern hat, desto leichter kann man das beurteilen und ggf. Alternativen finden. Gerade für Einsteiger sind die Premiumwege aber mit Sicherheit eine super Sache!

    Liebe Grüße
    Ruth

    • Hallo Ruth,

      Schön, dass ich Dir damit ein bisschen was Neues erzählen und Dich zum Schmunzeln bringen konnte. 😉

      Genau, ich denke auch, dass jeder für sich Wanderwege oder Routen aussuchen kann, egal ob premium, nicht zertifiziert oder vielleicht gar nicht beschildert.

      Liebe Grüße
      Cora

  4. Mal Licht ins Dunkle. Wunderbar. Danke für die Info. Ich wusste nicht, dass man sich entweder für Qualitätsweg oder Premiumweg zertifizieren kann.
    Gut ist, dass es bewirkt, dass mehr Menschen in der Natur unterwegs sind und auf die Natur acht geben. So hoffe ich. 🙂
    Viele Grüße an alle
    Conny

    • Hallo Conny,

      Gerne, freut mich, dass ich noch ein bisschen was Neues erzählen konnte.
      Ja, das ist auf jeden Fall ein Pluspunkt, wenn diese Wege mehr Menschen zum Wandern und draußen sein animieren.

      Liebe Grüße
      Cora

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