Traumschleife Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Traumschleife Himmels Gääs Paad: meine erste Solowanderung

Alleine wandern, damit beschäftige ich mich schon seit einiger Zeit. Denn zum einen möchte ich gerne öfter wandern gehen, habe aber oft keine Begleitung. Zum anderen ist es auch ein Punkt auf meiner „Entdeckungsliste“ für dieses Jahr. Aus meiner Komfortzone heraus gehen und neue Erfahrungen sammeln ist dieses Jahr eines meiner Ziele. Dazu gehört für mich definitiv auch das Alleinewandern. Und so habe ich mir dann kürzlich die Traumschleife Himmels Gääs Paad bei Noswendel mit ihren gut 7 Kilometern und leichter Wegeführung ausgesucht. Belohnt wurde ich mit einer ruhigen Wanderung, tollem Wetter und vielen schönen Entdeckungen am Wegesrand. Und neuen Erfahrungen für mich.

Meine erste Solowanderung beginnt an einem sonnigen Vormittag am Freizeitzentrum Noswendeler See im nördlichen Saarland. Hier ist auch der offizielle Startpunkt des Premiumwegs „Traumschleife Himmels Gääs Paad“ mit ihren 7,5 Kilometern. An einem Steg liegt eine Handvoll roter Tretboote im ruhigen Wasser, Enten und Haubentaucher ziehen ihre Runden im ruhigen Wasser. Der See ist klein und sehr idyllisch, es ist ruhig hier. Ich genieße kurz die Landschaft und starte dann zu meiner Wanderung.

Startpunkt Traumschleife am Noswendeler See © Cora Berger
Der Startpunkt am Noswendeler See

Zuerst geht es einmal fast um den Noswendeler See herum. Ich folge den lilafarbenen Schildern mit dem aufgedruckten „SH“ und dem Namen des Weges. Das ist übrigens das übliche Markierungszeichen der Traumschleifen.

Traumschleifen sind die 111 Premiumwanderwege rund um den Fernwanderweg Saar-Hunsrück-Steig, der zwischen dem luxemburgischen Schengen an der Mosel und Boppard am Rhein einmal quer durch den Hunsrück und damit auch durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald verläuft. Seine beeindruckende Wegelänge: 410 Kilometer insgesamt. Vom Deutschen Wanderinstitut wurde er übrigens mit stolzen 65 Erlebnispunkten ausgezeichnet . Sein besonderes Merkmal ist der sehr hohe Anteil an Naturwegen und der nur extrem geringe Asphaltanteil.

Noswendeler See © Cora Berger

Der Weg führt mich nach einer dreiviertel Umrundung des Sees zuerst in den Ort hinein. Hinter den Gärten geht es dann schließlich hinein in eine Art Moorlandschaft, der Weg wird hier über einen Bohlensteg geführt. Ruhig ist es, neben mir plätschert ein Bach, in den Bäumen über mir zwitschern die Vögel laut um die Wette.

Woher kommt der Name „Himmels Gääs Paad“?

Nachtrag im November 2017: Apropos Vögel. Wusstest du, woher der Name dieser Traumschleife stammt? Nein? Ich auch nicht, bisher. Aaaaaaalso:

Im Gebiet dieser Traumschleife lebt ein kleiner Sumpfvogel, die Bekassine. Sie wird auch „Himmelsziege“ genannt, also im Saarländischen „Himmelsgääs“, denn während der Balz erzeugt sie mit ihren Federn einen Laut, der stark an das Meckern einer Ziege erinnert. Das Hörbeispiel und mehr zu diesem interessanten Bewohner gibt es auf Wikipedia

Tolle Geschichte, wie der Himmels Gääs Paad zu seinem Namen kam, oder? 🙂

Bohlensteg bei Noswendel auf der Traumschleife Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Der erste Kilometer meiner Solowanderung geht vorbei. Noch ist es nicht anders als beim Lauftraining, bei dem ich ja meistens doch alleine unterwegs bin. Ich genieße den strahlenden Sonnenschein und hoffe doch darauf, dass der Weg mich durch viel Waldgebiet führen wird. Meine Kappe als Sonnenschutz liegt nämlich daheim, dummerweise. Meine Memo des Tages an mich selbst: Kappe, Sonnencreme und Insektenspray müssen beim nächsten Mal mit in den Rucksack. Oder besser vorher auf die Haut.

Unterwegs auf dem Bohlensteg bei Noswendel © Cora Berger

Nach ca. 1,6 km erreiche ich den Biergarten „Alte Mühle“. Unter der Woche hat er leider erst ab 14 Uhr geöffnet – und es ist gerade mal kurz nach 12 – aber es sieht sehr gemütlich hier aus. Bestimmt ist es hier bei gutem Wetter und am Wochenende sehr voll.

Gasthaus Alte Mühle bei Noswendel © Cora Berger

Nach einem kurzen Stück durch hohes Gras führen mich die Schilder der Traumschleife „Himmels Gääs Paad“ wieder in ein Waldstück. Rechts neben mir murmelt der Bach vor sich hin. Der Wald kühlt mich ab nach dem kurzen Stück durch die pralle Sonne des eigentlich gar nicht so heißen Tages.

Natur pur unterwegs

Unterwegs locken immer wieder Bänke mit tollen Aussichten zu einer kurzen Foto- und Staunpause ein. Die Wiesen und die Blätter der Bäume sind so wahnsinnig grün und satt, die Blumen bunt, der Himmel blau – was für ein Sommertag. Und ich darf hier alleine unterwegs sein und genau das genießen! Was für ein Glück! Dass ich tatsächlich alleine unterwegs bin, hat mich anfangs einiges an Überwindung gekostet, aber das anfangs mulmige Gefühl schwindet mit jedem Meter immer mehr. Es weicht einer Ruhe, einem Genießen der Natur und der Fotostopps. Die ich reichlich mache. Pflanzen, Blumen, kleine Insekten, witzige Formen der Bäume: es gibt so viel zu bestaunen. Noch mehr staune ich ab und an über die Ruhe. Straßen und Häuser scheinen weit weg, aber es sind nur ein paar wenige Kilometer.

Bank mit Aussicht auf dem Himmels Gääs Paad © Cora Berger
Ein Pausenplätzchen mit Aussicht
Waldmeister am Wegesrand © Cora Berger
Waldmeister am Wegesrand

Der Weg ist abwechslungsreich. Mal geht es auf einem schmalen Trampelpfad durch den Wald und zwischen den Bäumen durch, dann wieder über einen Wiesenweg weiter oder ein Stück über einen „normalen“ Waldweg. Außerdem geht es immer wieder über Bohlenstege unterschiedlicher Länge. Ich halte Ausschau nach den lilafarbenen Schildern, die mir den Weg weisen. Jeder Kilometer ist noch einmal separat markiert mit einem eigenen Schild, das die Kilometerzahl zeigt und die Notrufnummer. Service außerdem: ab und an gibt es Schilder mit den Kontaktdaten der Zuständigen für den Weg, also die Gemeinde und das Projektbüro Saar-Hunsrück-Steig. Wanderer haben hier also eine direkte Kontaktmöglichkeit.

Kilometerschild Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Cora auf dem Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Kurz nach der 3-Kilometer-Marke geht es ein Stück an einer Landstraße entlang. Sie ist von weitem schon zu hören. Direkt hinter der Leitplanke wandert man kurz auf einem Trampfelpfad, dann über einen kleinen Tümpel auf einer Brücke und wieder einem Stück Holzbohlen. An der kleinen Brücke stehen ein paar Disteln mit lilafarbenen Blüten, die Ziel von ein paar Bienen sind.

Disteln am Wegesrand auf dem Himmels Gääs Paad © Cora Berger
Kleines am Wegesrand entdecken

Und dann verschwindet der Weg wieder in den Wald hinein. Der Boden ist feucht und rutschig vom vielen Regen der letzten Tage. Nach ein paar hundert Metern biege ich den Schildern folgend in einen breiten Waldweg ein. Ach, ich könnte euch noch drölfzehnmal sagen, wie grün und toll und bunt es um mich herum ist. Dass ich auf jedem Meter neue Dinge sehe und fotografieren möchte. Herrlich, einfach toll, ich komme aus dem Staunen kaum heraus. Wilde Orchideen meine ich zu erkennen. Farne, Tannen, Buchen, Fingerhut und noch so vieles mehr, das ich nicht benennen oder zuordnen kann.

Kilometerschild Himmesl Gääs Paad am Baum © Cora Berger

Fingerhut auf dem Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Grüne Idylle auf dem Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Pause auf der Sinnenbank

Am Waldrand, ca. bei Kilometer 5 schätze ich, steht eine der geschwungenen Sinnebänke. Ein wunderschöner Platz für eine Pause, also schwinge ich mich und den Rucksack drauf. Vor mir eine weite Wiese, hinter mir der Wald, ein Weg führt hinab ins Dorf. Der Himmel hat etwas zugezogen, die Sonne brennt nicht mehr ganz so stark. Ich genieße. Genieße es, hier zu sitzen, den Tag frei zu haben, das sommerliche Wetter genießen zu können.

Pause mit Aussicht am Himmels Gääs Paad © Cora Berger
Pause auf der Sinnenbank mit Aussicht

Auf der Sinnenbank ist übrigens ein Schild festgenagelt, das auf die neue Initiative „Wandercent“ hinweist. Im Prinzip geht es darum, als zufriedener Wanderer die Traumschleifen oder auch genau DIE Traumschleife, auf der man unterwegs ist, finanziell zu unterstützen. Das geht ganz leicht per SMS und wird über genau dieses Schild erklärt. Wer mehr darüber wissen möchte, schaut auf der Website des Projekts „Wandercent“.

Infoschild Wandercent am Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Blume am Wegesrand © Cora Berger

Fünfzehn Minuten später geht es weiter. Durch ein Feld, dann in den Wald hinein. Ein paar leichte Steigungen liegen vor mir. Der Wald wird wieder dichter, sofort ändert sich die Geräuschkulisse. Vogelstimmen überall, ganz verschiedene. Sonst fast nur Ruhe. Herrlich!

Baumriesen am Wegesrand Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Wegweise Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Und dann trete ich aus dem Wald heraus, stehe oberhalb von Noswendel. Zuerst nur Feld und Wiese vor mir, ich kann weit schauen. Durch das hohe Gras geht es ein Stück den Hang hinab.

Weite Aussicht am Himmels Gääs Paad © Cora Berger

An einem der Bäume hängt ein großes Schild, das nach rechts zeigt: „Panorama-Seeblick 30 Meter“. Na, da muss ich natürlich schauen gehen. Durch hohes Gras, das mir bis übers Knie reicht, stapfe ich bis zu einer weiteren Sinnenbank. Von hier sieht man tatsächlich fast von oben auf den Noswendeler See.

Seeblick am Himmels Gääs Paad © Cora Berger

Das letzte Stück geht es bergab, auf die Häuser zu. Mitten durch ein Feld. Wirklich mitten durch, links und rechts von mir wachsen Salate. Oder sowas. Auf jeden Fall toll, dass ein Landwirt so eine Wegeführung mitmacht. Und dann stehe ich schon wieder an der Hauptstraße am Ortseingang von Noswendel, wende mich nach links und sehe schon das Schild, das zum Noswendeler See zeigt. Etwas mehr als 7 Kilometer habe ich in 2 Stunden erwandert. Zum ersten Mal allein. Ich bin glücklich und zufrieden mit mir. Zurück am See gönne ich mir zum Abschluss ein alkoholfreies Weizen und genieße den Blick auf den noch ruhigen See.

Abschluss-Weizen am Noswendeler See © Cora Berger

Mein Fazit zur Traumschleife „Himmels Gääs Paad“

Mir hat’s gefallen! Der Weg war schön, kurz und abwechslungsreich. Wasser, Wald und Wiese, gut beschildert, schöne Pausenplätze – was will man mehr? 🙂 Für mich habe ich gelernt, dass eine Solowanderung Spaß macht, mir Freiraum gibt, auch mal länger Fotos oder Pause zu machen, und Ruhe bringt. Ich konnte abschalten, alles um mich herum genießen. Hach, wie ist das schön.

Tipps für’s Alleinewandern habe ich mir übrigens unter anderem bei Angelica von WandernBonn.de geholt, die einen sehr motivierenden und hilfreichen Beitrag dazu auf ihrem Blog hat. „Mach es einfach!“ schreibt sie im letzten Abschnitt. Das habe ich mir zu Herzen genommen und es war toll! Danke dafür!

Dieser Beitrag erschien zuerst im Juni 2016 auf meinem Vorgängerblog „Blick auf“.

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3 Kommentare zu “Traumschleife Himmels Gääs Paad: meine erste Solowanderung

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